Konzept

Unterricht ist Kommunikation. Der Schüler entscheidet, was gelehrt wurde.

Konstruktivismus. Systemtheorie. Kommunikation.

Diese drei eng miteinander verwobenen Erkenntnistheorien bilden die Grundlage von "Unterricht als Abenteuer". Im Vordergrund steht nicht der Lernstoff, auch nicht dessen Vermittlung, vielmehr gilt das Augenmerk der Begegnung zwischen Lernendem und Wissen.

Es gibt keine direkte Schnittstelle zwischen Mensch und Wissen, daher ergibt ein Eintrichtern keinen Sinn. Stattdessen liegt die Aufgabe des Lehrers in der Beziehungsarbeit zwischen Lernendem und Wissen. Im Folgenden werden zentrale Punkte dieses Ansatzes vorgestellt:

Konstruktivistische Grundhaltung

Wissen wächst! Auch wenn die Versuchung groß ist: Ein Erkenntnisfortschritt kann weder eingetrichtert noch von außen erzwungen werden. Jeder Mensch konstruiert sich sein eigenes Gedankengebäude.

Der Lernende entscheidet, was gelehrt wurde!

Aus dem angebotenen Material konstuiert der Lernende seine eigene Wirklichkeit. Der Lehrer hat prinzipiell nicht in der Hand, was im Schülerkopf entsteht. Das entscheidet der Lernende selbst. Natürlich hat die Lernumgebung etwas mit der Konstruktion des Schülers zu tun, jedoch ist das Lernen ein eigenständiger und individueller Verdauungsprozess.

Lernumgebungen statt Trichter

Damit Wissen wachsen kann, bedarf es einer geeigneten Lernumgebung. Dem Lehrer kommt eine neue Rolle zu: Er beschult nicht, er gestaltet Lernumgebungen. Das Klassenzimmer, der Pausenhof wird zum Ort des Erlebens, der Unterricht zum Abenteuer. Die Folge ist ein lustvolles, nachhaltiges, gesundes und kompetenzorientiertes Lernen.

Erleben statt funktionieren

Unterricht ist ohne Schüler und Lehrer undenkbar. Entsprechend gibt es weder den "guten Unterricht" noch die "richtige Vorgehensweise". Unterricht ist kein Programm, dass unabhängig von Schülern und Lehrern durchgeführt wird. Unterricht bzw. Wachstum "funktioniert" nicht. Im Gegenteil: Wissen wächst durch Erleben, durch Interaktion und Kommunikation. Menschen sind keine Maschinen! Maschinen funktionieren, Menschen erleben. Das angestrebte Ideal ist nicht der "richtige", sondern ein für Lehrer und Schüler stimmiger Unterricht.

Unterricht ist Beziehungsarbeit

Da Wissen sich konstruiert und nicht von außen erzwungen werden kann, gilt es die Voraussetzungen für Wissenskonstruktionen zu optimieren. Anstelle des Trichters rückt Beziehungsarbeit. Der Lehrer wird zum "Vermittler" zwischen Mensch und Wissen. Es geht in erster Linie, um den Aufbau einer positiven Beziehung zu schulischen Themen. Eine glückliche Beziehung, zum Beispiel zur Mathematik, lässt sich nicht erzwingen, jedoch tragen positive Erlebnisse und selbstbestimmtes Mitgestalten viel wahrscheinlicher dazu bei, als ein Abarbeiten fremdbestimmter Aufgaben auf Arbeitsblättern oder Schulbüchern.

Unterricht ist Kommunikation.

Alles was im Unterricht geschieht ist Kommunikation. Jede Interaktion. Jeder Kontakt. Kommunikation ist das Thema Nr. 1 für die Gestaltung von Lernumgebungen. Eine zentrale Bedeutung kommt dem Delegieren von Verantwortung an Schüler zu. Das bewirkt auf der einen Seite eine ungeheure Entlastung für Lehrer, auf der anderen Spielfreude und Mitgestaltungsmöglichkeiten für Schüler. Gestaltet der Schüler mit, wird Unterricht von selbst zu seiner Sache. Lernen ist nicht mehr fremdbestimmt (s. Abschnitt oben).

Umgang mit Gruppen

Die Gruppe bzw. eine Schulklasse ist ein komplexes System. Selbst wenn die Eigenschaften und Eigenheiten jedes Gruppenmitglieds bekannt sind, lässt sich kaum eine Aussage über Gruppenverhalten bzw. Gruppendynamik treffen.

Jedes Individuum kann mit einem anderen interagieren. Bei 25 Schülern und einem Lehrer gibt es bereits 1 + 2 + 3 + ... + 28 = 338 (!) Gesprächsmöglichkeiten bzw. Interaktionsachsen. Die Gruppe ist ein unsichtbares Wesen, sie agiert und reagiert völlig anders als das Individuum. Sie besitzt keine Spiegelneuronen. Ein Beispiel: Der an die Gruppe gerichtete Appell "Seid bitte still!" verhallt meist ohne Wirkung. Hingegen erreicht "Klaus, sei bitte still!" die ganze Klasse. Weiter kann eine Gruppe wenn überhaupt nur sehr schwer Verantwortung übernehmen. Um die Diffusion der Verantwortung zu vermeiden, braucht es die Festlegung von Rollen (vgl. Download Rollenkarten für Gruppenunterricht).

Rolle und Bühne

Die wichtigsten Werkzeuge zur Gestaltung von Lernumgebungen sind Rollenverteilung und Bühne. Mit der Rolle ändert sich alles. Und zwar simultan. Ob ein Schüler aufmerksam mitgestaltet oder stört, hängt an seiner Rolle. Wer keine Rolle spielt, dem wird es bald langweilig, der kann auch wegbleiben. Unterricht kann so gestaltet werden, dass Schüler die zentrale Rolle spielen. Die "Bühne" ist hierbei ein mächtiges Hilfsmittel. Sie fokussiert die Aufmerksamkeit, sie kann Schüler würdigen aber ebenso auch bloßtellen. Letzteres kann vermieden werden, wenn der Unterrichtende die Bühne nicht wahrnimmt.

Kompetenzorientierung

Ein handlungs- und erlebnisorientierter Ansatz bringt in natürlicher Weise eine starke Kompetenzorientierung mit sich. Das Abenteuer fördert und fordert Sozial- und Methodenkompetenzen, personale Kompetenzen, kognitive Basiskompetenzen sowie berufsfeldbezogene Kompetenzen. Selbst wenn Lehrer und Schüler nicht einmal an Kompetenzen denken...